"Und alle Lust wil Ewigkeit"
Anmerkungen zur Psychopathologisierung des Körpers

Vortrag am Psychoanalytischen Seminar Luzern, Juli 2007

6. Juli 2007




Psychoanalytisches Theoretisieren über den Körper neigt dazu, dessen Unantastbarkeit zu postulieren. Damit nimmt es zum Körper eine ähnliche Haltung ein wie zum Objekt. Der psychische Apparat wird dagegen als der Ort angesehen, an dem sich der Wunsch und der Anspruch nach Veränderung endlich und unendlich austoben darf und soll. Einer Pathologisierung des Körpers steht eine Hypertrophierung der Psyche gegenüber.

Es wird der Frage nachgegangen, ob die Psychoanalyse dabei nicht in Gefahr ist, sich in der Pathologisierung des Körperlichen zu verschanzen. Dies wird anhand von zwei Fallvignetten aufgegriffen und diskutiert. Darüber hinaus kann die Auseinandersetzung mit dem Körper, wie sie in der Kunst von Bruce Nauman beispielsweise geleistet wird, zu einer anderen Sicht auf den Körper beitragen.




Ist die Psychoanalyse, meine Damen und Herren, alt geworden? Diesen Eindruck könnte man bisweilen bekommen, wenn man sie über den Körper sprechen hört. Dann kann sie mit ihren Argumenten herumfuchteln wie manche alten Leute mit ihrem Spazierstock, wenn ihnen die Welt zu schnell geworden ist. Mit erhobenem Zeigefinger konstatiert sie die Oberflächlichkeit der Welt und moniert die Wichtigkeit der äusseren Erscheinung, der Moden und Mödchen, und natürlich die Bereitschaft sich all dem bedingungslos anzupassen. Markenbranding des Ich sei das und das mache nicht mal mehr beim Körper Halt!!! Der Körper als Ware, so weit ist es gekommen.

Get out of my room, get out of my mind, so heisst die Installation von Bruce Nauman, die Sie am Anfang gehört haben. Get out of my mind, get out of my room, das ist – wörtlich genommen - genau die Haltung, welche die Psychoanalyse dem Körper gegenüber eingenommen hat: Nichts mit ihm machen, ihn ganz in Ruhe lassen; berühren schon – aber nicht zu heftig; weil halten und gehalten werden ist wichtig – gehört zum Wichtigsten, was wir Psychoanalytiker glauben machen zu müssen; aber auch das lieber nur psychisch als containing! Darüber hinaus soll man ihn lassen, den Körper, nichts von ihm fordern – Verzicht natürlich schon – und schon gar nicht Hand anlegen, ihn formen und verformen, ihn benutzen, um sich darzustellen, um mit sich etwas zu machen, um aus sich etwas zu machen. Etwas anderes gar, das man nicht oder noch nicht ist.

Lange Haare – heisst es –, Schminken, Make Up, auch Mode, so wie wir es damals hatten, das alles geht noch, bleibt dem Körper einigermassen äusserlich, lässt sich wieder rückgängig machen, ist ja Teil der Kultur und der Welt, in der wir leben. Aber Piercing, Tatoos, sind schon Atavismen, denen man gerade noch eine fehlgeschlagene Identitätssuche zubilligen kann, die natürlich möglichst schnell psychoanalytischer Behandlung bedarf.

„ ‚Ich habe eine eigene Entscheidung treffen wollen!’ sagt eine junge Patientin, die stolz mit ihrem neuen Piercing, gut sichtbar unter der Unterlippe angebracht, zur Stunde kommt. Dieser Satz ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Hat die Patientin, eine Studentin, Tochter von Migranten, wirklich so wenig Möglichkeiten, eigene Entscheidungen zu treffen, um darüber Authentizität zu erleben?“ (Ziob, 2007, S.125) Dies der Kommentar einer Analytikerin zum Piercing ihrer Analysandin.

Schönheitsoperationen sind natürlich noch heikler. Sie gelten sehr schnell als Agieren unbewusster Konflikte, als Reinszenierung ödipaler Phantasien – zum Beispiel will die Tochter grössere Brüste als die Mutter, um sich dadurch den Vater gewinnen zu können, was, wie wir ja alle wissen, ohnehin nicht möglich sein wird, und wozu braucht sie sie dann noch, die grösseren Brüste?

Und natürlich sind solche Schönheitsoperationen, die in den Körper eingreifen, vor allem narzisstisch. Sie sind der natürlich illusionäre Versuch einer narzisstischen Selbsterschaffung. Es geht nämlich darum – das scheint ganz klar zu sein –, die Urszene zu revidieren. Denn, so heisst es bei Brigitte Ziob: „Damit wird die Phantasie erzeugt: ‚Ich erschaffe mich selbst’ , und zwar nach meinen Vorstellungen von einem Ich-Ideal und dessen Beeinflussung durch kollektive Idealvorstellungen.“ ( Ziob, S.127)

Bei diesem Drang zur Pathologisierung wird nicht davor zurückgeschreckt, Lacan heranzuziehen: Der Mangel, der – nach ihm – das Begehren an- und immer weiter treibt und seine letzte Erfüllung auch verunmöglicht, würde bei solchen Eingriffen und Veränderungen nicht mehr beachtet, wird da postuliert. Deshalb dienen „schönheitschirurgisch unterstütze Körperinszenierungen (...) dann nicht mehr nur der Verschönerung, sondern sind Stationen auf einem Weg, dessen phantasmatisches Ziel die Verschmelzung mit dem Realen ist.“ (Rohde-Dachser, 2007, S.113) Da wird dem guten Lacan doch ziemlich Gewalt angetan, wenn das Begehren, als Streben nach Wunscherfüllung, als Versuch gedeutet wird, mit dem Realen zu verschmelzen.

Reinszenierungen unbewältigter ödipaler Konflikte, Agieren narzisstischer Allmacht, phantasmatisches und todestriebhaftes Verschmelzen mit dem Realen, damit haben wir das Arsenal psychoanalytischer Diskriminierung komplett, das sich locker und amüsant durch immer weitere Beispiele belegen liesse. Es ist ja ein Schicksal des Körpers geschlagen zu werden.

Ausser um den Spass an der Polemik geht es bei all dem vor allem um eines: Darum, zu zeigen, dass der Körper als unantastbar gesetzt wird: er soll unantastbar sein und unangetastet bleiben. Unangetastet von den eigenen Wünschen und Begierden, unangetastet von den Lüsten und Ansprüchen anderer. Allzu leicht wird der Körper nämlich zur „Bildfläche innerer Botschaften ... (und) immer mehr zum Projekt, wofür in Kauf genommen wird, dass gesundes Gewebe geschädigt wird.“ (Ziob 2007, S.133) Da wird Gesundes geschädigt und das wird – ganz ohne jede Einschränkung – als krankhaft verurteilt. Solch schädigendem und pathologischem Gebaren ist natürlich zu begegnen und vorzubeugen. Statt körperlichen Veränderungen, das ist die Devise, sind psychische Veränderungen angesagt. Äussere Anpassung ist durch inneren Wandel zu ersetzen. Einem Patienten, 60 Jahre alt, der sich einer Schönheitsoperation unterzogen hat, wird nach dem Gespräch mit seiner Analytikerin klar, „dass die Operation zwar sein Äusseres verändern (kann), aber seine inneren Probleme bleiben.“ (Ziob 2007, S.125) Das ist tiefschürfende Erkenntnis.

Statt den Körper zu verändern soll sich das Ich entwickeln. Durch Reifung und Verzicht auf unangemessene, masslose und schädigende Wünsche sich einen anderen Körper zu geben. Statt körperlichen Schmerz bei Veränderungen des Äusseren in Kauf zu nehmen, soll man schmerzhaften Verzicht auf sich nehmen, um sich innerlich grösser und schöner zu machen. Statt Body-Building mit dem Körper wird ein Body-Building der Psyche proklamiert. Der Pathologisierung des Körpers steht eine Hypertrophierung der Psyche gegenüber.

Was für Blüten dieses Bemühen zeitigen kann, wird deutlich, wenn Rohde-Dachser einen Artikel aus der FAZ zitiert, in dem als unumstösslicher Beweis dafür, dass es sich da um Pathologie handeln muss, erwähnt wird, dass die Leute, die sich solchen Schönheitsoperationen unterziehen, grosse Schmerzen in Kauf nehmen und viel Geld dafür bezahlen. Das muss und kann doch nur pathologisch sein.

Die Haut als Membran zwischen Innen und Aussen, die Haut als Körperhülle, die Haut als Trägerin von Schönheit und als Objekt der Begierde ist in diesem Zusammenhang ein ausnehmend delikates Organ. Für dieses gilt das Postulat der Unversehrtheit in besonderem Masse. Und diese Forderung wird von den verschiedenen Eingriffen zur körperlichen Veränderung in eklatantem Mass verletzt. „Durch 5000 Nadelstiche pro Minute, das blitzartige Einstanzen mit einer Einwegnadel oder den Schnitt mit dem Skalpell wird die Unversehrtheit der Haut als Körperhülle aufgehoben. Nach der Prozedur der Tätowierung muss die Fläche mit Zellophan abgedeckt und tagelang vor Nässe geschützt werden. Beim Piercing ist die Einstichstelle zu pflegen, damit sich keine Entzündung bilden kann, und beim Zungenpiercing darf man sich zunächst nur mit flüssiger Babynahrung ernähren. Für Schönheitsoperationen werden tagelange Schwellungen, Blutergüsse und Schmerzen ertragen. Die Instrumente, die für die Körperinszenierungen benutzt werden, sind harte Gegenstände wie Messer, Nadel, Zange, Sauger, die an der Hautgrenze ansetzen und dort sichtbare Spuren hinterlassen.“ (Ziob 2007, S.134) Was für ein Szenario, was für eine Empörung.

Nun ist die Haut aber nicht nur Hülle, sie hat auch Öffnungen und Löcher, an denen sich als erogene Zonen bekanntlich die Lust besonders akkumuliert. Dem Wunsch nach zusätzlichen Öffnungen, dem Wunsch nach anderen Lüsten und Gelüsten, dem Wunsch nach einem Körper der Lust wird unter Hinweis auf die Schädigung des Körpers entgegengetreten. Ganz so wie früher das Schreckgespenst verbreitet wurde, dass Onanieren Schwindsucht mache.

Diese Desexualisierung des Körpers führt zwangsläufig zu einer Sexualisierung der Psyche. Dort tobt doe LUst sich dann in der ständigen Forderung nach Verzicht und Aufschub als endloses Straf- und Bussritual für die masslosen und pathologischen Wünsche aus, den Körper zu einem Lustkörper zu machen. Mit der ubiquitären und unausweichlichen Forderung nach Trauerarbeit – die sich mit der doch ziemlich verfehlten Diagnose einer (Un)möglichkeit zu trauern noch dominanter zu machen versucht – mit dieser dogmatische Forderung nach Trauerarbeit soll alle Lust auf die Psyche konzentriert, vom Ich aufgesogen werden. Und wenn es im erwähnten Zusammenhang bei Ziob heisst, „dass die Idealisierung des Körpers und, damit verbunden, dessen Gestaltung eine Regression auf den Körper darstellt“ (Ziob 2007, S.126), dann könnte man sich durchaus fragen, ob es sich dabei nicht um eine Fetischisierung der Psyche handelt?

Auf dem diesjährigen Jahrskongress der DPG in Stuttgart habe ich diese Ritualisierung der Trauer ganz eindrücklich miterlebt. Er fand in der Tat statt zu diesem Thema der (Un)möglichkeit zu trauern. Äusseres Zeichen dieses Bussrituals, das dann durchaus auch körperliche Dimensionen annahm, war die gedämpfte und verhaltene Stimme, das langsame Reden und die Monotonie nicht nur des Denkens, sondern auch des Sprechens. Es war wirklich ganz eindrücklich....

Die Psyche wird also unter permanenten Veränderungs- und Entwicklungsdruck gestellt. Ein ganz entscheidender Mechanismus psychischer Entwicklung ist die Identifikation. Diese ist – nach Lacan – zu verstehen als „Veränderung des Subjekts durch die Aufnahme eines Bildes“. Und obwohl es sich bei diesem Bild – denken Sie an das Spiegelstadium, bzw. an das Spiegelbild – um ein körperliches Bild handelt – und wir werden im Laufe des Vortrags immer wieder auf die Frage des Bildes stossen – obwohl es sich also um ein Bild des Körpers handelt, wird diese Chance der Veränderung dem Körper entzogen und ganz dem Ich vorbehalten.

Dieses darf sich nicht nur, es soll und muss sich sogar verändern und verschönern. Mit Hilfe von Verzicht und Aufschub. Allerdings gilt auch hier wieder: Aufschub als Form und Motor psychischer Änderung: ja, als Form und Motor physicher Veränderung: nein. Schönheitsoperationen sind nämlich, so Christa Rohde-Dachser, vor allem als Versuch zu verstehen, den Prozess der Vergänglichkeit des Körpers aufzuschieben, und damit sind sie Symptom narzisstischer Allmachtsphantasien, denen mit anständigem Trauern und nicht mir unanständigen Körperkorrekturen zu begegnen ist.


Zum Aufschub nun ein interessanten Beispiel: Vor zwei Wochen hatten wir am PSZ einen Vortrag von Rudolf Heinz zum Thema: Spekulative Chrirurgie. Zur Psychosomatik einer Krebserkrankung und deren Therapie. Die Krebserkrankung, von der Rudolf Heinz handelte, war seine eigene. Er sprach also von sich und seinem Körper und unternahm – in durchaus Freudscher Tradition – den Versuch einer Selbstanalyse seiner Symptomatik. Rudolf Heinz ist emeritierter Professor für Philosophie an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf und ein sehr eigenständiger Denker in Sachen Psychoanalyse. Und von daher nicht in Gefahr bei seiner Selbstanalyse in exhibitionistische und amorphe Selbstbespiegelung zu geraten. Er begann seinen Vortrag mit einer sehr präzisen und aufschlussreichen Schilderung des Krankheitsprozesses. Ohne dabei auf die mir nicht mehr alle ganz gegenwärtigen medizinischen Details der Verursachung einzugehen, ging es dabei um folgendes: Es drohte ein Speiseröhrenkrebs, ein sogenanntes Adenokarzinom. Diese Gefahr entstand wiederum dadurch, dass sich als Folge einer Reflux-Krankheit – also eines Rückflusses des Magensaftes in die Speiseröhre – ein sogenannter Barrett-Ösophagus bildete. Dieser Barrett-Ösophagus ist die Auskleidung der Speiseröhre durch Magenschleimhaut, die sich – man könnte sagen als Schutz vor dem Rückfluss des Magensaftes – auf der Innenseite der Speiseröhre ausbildet oder auf der Innenseite der Speiseröhre nach oben zu ziehen und zu verlängern beginnt. Dieser Barrett-Ösophagus, der als Vorstufe für den Krebs gilt, wurde mehr oder weniger zufällig durch einen plötzlich heftig blutenden Ulcus erkannt. Als therapeutische Massnahme gegen einen drohenden Krebs kam es dann zu einer Operation, in der die Speiseröhre entfernt und der Magen sozusagen substituierend zum Rachen hochgezogen wurde. Die Operation wurde so zum Vollzug einer Bewegung, die schon im Krankheitsprozess begonnen hatte: des Hochwachsens, wenn man so will, des Magens.

Auf Grund seiner Selbstanalyse versteht Rudolf Heinz als „Inbegriff der psychosomatischen Verursachung dieses Krebses die pathogene, das Vermittlungsorgan Speiseröhre letztlich zerstörende Begier, Mund und Magen, im Sinne von somatisch verschobener Sucht („orale Gier“), miteinander kurzzuschliessen.“ (Heinz 2007b)

Weiter führte er aus, dass so die „Therapie, der grosse chirurgische Eingriff, wie eine quasi homöopathische, symptombedienende Wunscherfüllung“ erscheint. Der teilumgeformte hochgezogene Magen schliesst als künstlich-organische Speiseröhre Mund und Magen nun „endlich“ kurz.

„Wunscherfüllung“ heisst es, meine Damen und Herren, Wunscherfüllung in doppeltem Sinn: Zum einen als Befriedigung oraler Gier, die bei ihm gar nicht nur aufs Essen, Trinken, Rauchen und ähnliches allein bezogen ist, sondern auch auf die unbändige Lust nach geistiger Nahrung einerseits und ihre Verarbeitung im Sprechen andererseits.

Wunscherfüllung zum andern aber auch im Sinne der Aufhebung des Aufschubs durch die Resektion der Speiseröhre. Diese ist ja der Aufschub, den die Gier bisher nehmen und erdulden musste. Die Therapie ist damit der Vollzug der Wunscherfüllung.

Auch hier, Sie haben es gehört, ist die Rede von Pathogenität und Pathologie. In Bezug auf den Krebs verständlicherweise ohnehin, aber vor allem in Bezug auf die orale Gier, die ungebremste, nicht mehr zu bremsende. Gleichzeitig spricht Rudolf Heinz aber von einer Wunscherfüllung. Von einer Wunscherfüllung, die nicht nur in der Befriedigung der Gier besteht, sondern nicht zuletzt in einem Umbau des Körpers. Der Magen zieht sich selbst schon als innere Hülle der Magenschleimhaut hoch zum Mund. Die Operation vollendet - wenn man so will – dieses Bemühen, indem sie den Aufschub entfernt und den Mund direkt mit dem Magen verbindet.

Das körperliche Geschehen inneren Umbaus wird nicht nur pathologisch angesehen, sondern als Wunscherfüllung, als Vervollkommnung des Körpers im Sinne der Lust, als inneren Umbau des Körpers im Sinne des Lustprinzips, als Umbau des Körpers zu einem Lustkörper.


In einem anderen Beispiel geht es nach dem Aufschub um eine Verschiebung. Um eine Verschiebung in mindestens zweifacher Hinsicht, wie Sie sehen werden. Es handelt sich um das Geschehen in einer Therapie, die bislang in zwei Etappen stattgefunden hat.

Die Patientin war in Jugend und Adoleszenz über Jahre hinweg drogensüchtig. Mit grosser Willensanstrengung ist es ihr gelungen von den Drogen wegzukommen. Dabei war sicherlich ihr Mann behilflich, der körperlich zwar leicht behindert, aber nicht drogensüchtig war, wie auch der Umstand, dass sie mit ihm zwei Töchter bekommen hat, die zum Zeitpunkt des Therapiebeginns um die 10 Jahre alt waren. Die erste Phase der Therapie kreiste um zwei immer wiederkehrende Themen, die sie ebenso obsessiv wie rigid in die Stunden brachte. Um die Sorgen mit der Hepatitis C, die ihr als Folge ihrer Drogensucht geblieben war, und um das Verhältnis zu ihrem Mann, zu dem sie nicht nur mit unbeirrter Vehemenz die Trennung einleitete, verfolgte und durchzog, sondern den sie geradezu gnadenlos und mit allen Mitteln loszuwerden versuchte. Gleichzeitig setzte sie alles dran, ihn trotz eines geringen Einkommens zu Zahlungen zu verpflichten, die ihren bisherigen Lebensstil weiter garantieren würden.

Ihre Auseinandersetzung mit der Hepatitis war durch ebensolche Unnachgiebigkeit geprägt. Sie hatte sich übers Internet und einschlägige Organisationen alle Informationen zu dieser Krankheit und zu den aktuellen Therapiemöglichkeiten beschafft und versuchte die Ärzte dazu zu zwingen, ihr die Therapie zu geben, die sie für richtig hielt. Waren sie dazu nicht bereit, wechselte sie ohne zu Zögern den Arzt. In beiden Bereichen versuchte sie also mit eisernem Griff ihre Abhängigkeit unter Kontrolle zu bringen und dann auch loszuwerden und auszulöschen.

Das gelang ihr in Bezug auf den Mann, nicht in Bezug auf die Hepatitis. Allerdings fand sie einen Arzt, der mit ihr kooperieren konnte. Ihren Therapeuten sah sie vor allem als Klagemauer, der dabei freilich nicht gänzlich stumm bleiben, sondern als Applaudeur sie in all ihrem Tun und Lassen bestätigen sollte. Diese Aufgabe sollte ihm erleichtert werden dadurch, dass sie ihm sehr genau und penetrant Erläuterungen über die Hintergründe und das Funktionieren von Hepatitis und Mann gab und darüber, wie es eigentlich sein sollte. Nach eingeleiteter Scheidung vom Mann und Aufnahme des richtigen Therapieprogramms für die Hepatitis war des Mohren Schuldigkeit getan und sie erklärte die Therapie für beendet.

Zwei Jahre später meldet sie sich wieder. Inzwischen mit neuem Partner, der auch schon eingezogen ist und viel für sie und ihre Töchter tut. Grund für die zweite Etappe, die auch schon eine Art Verschiebung darstellen dürfte, waren nun heftigste Schwierigkeiten mit den beiden Töchtern. Nach der zwanghaften Kontrolle des Körpers und seiner Abhängigkeit, kommt es jetzt zur Manifestation des Körpers.

Die ältere von beiden, die immer schon mehr Auflehnung, Ablehnung und Abgrenzung an den Tag gelegt hatte – darin der Mutter nicht unähnlich – und gleichzeitig immer eine gewisse Affinität zum Vater hatte, war zunehmend aufsässiger und unbotmässiger geworden, liess sich von der Mutter nicht abbringen, die Beziehung zu einem älteren Freund aufrechtzuerhalten, und wurde von der Patientin für untragbar erklärt. Als Massnahme war die Einweisung in ein Erziehungsheim gedacht, was aber von der Gemeinde nicht befürwortet und bezahlt wurde, so dass die Patientin die Tochter kurzerhand zum Vater abschob, obwohl sie diesem das gemeinsame Sorgerecht für die Kinder hatte entziehen lassen. Damit war dieses Problem – radikal – gelöst.

Das andere erwies sich hingegen als hartnäckiger. Die jüngere Tochter hatte in der Zwischenzeit eine schwere Magersucht entwickelt. Sie war schon zweimal wegen lebensgefährlichem Untergewicht in die Klinik eingewiesen worden, war auch in psychotherapeutischer Behandlung, hielt aber hartnäckig an ihrer Sucht und ihrem Untergewicht fest. Ihre körperliche Krankheit wurde zur Gefahr für ihr Leben und zur Belastung für die Mutter, die deshalb wieder ihren Therapeuten aufsuchte. Trotz aller Spaltungen, die sich in wieder obsessiven und rigiden Intellektualisierungen und Rationalisierungen niederschlugen, wurde es spürbar, dass der Patientin die Krankheit und das Schicksal ihrer Tochter nahe ging. Und es gab Stunden, in denen es aufgrund einerseits insistierender und andererseits zuwendender Interventionen des Analytikers dazu kam, dass sie diese Nähe, diese Besorgnis und ihre Angst – ihre Emotionalität also – zulassen konnte.

Nach diesen Stunden kam es zu einer Entspannung im Verhältnis zur Tochter, das sonst von der genau gleichen Unzugänglichkeit gekennzeichnet war, wie sie inzwischen die Tochter der Mutter und deren endlosen Aufforderungen gegenüber, doch einfach mit der Sucht aufzuhören, an den Tag legte. Diese Bemühungen schwankten zwischen flehendem Bitten und brutalen, rücksichtslosen Drohungen und hatten immer nur eines zum Ziel: das Gewicht wieder zu erhöhen, die körperlichen Veränderungen wieder rückgängig zu machen und zum Zustand quo ante, zu einer restitutio ad integrum zurückzukehren. Es ging ihr – wie auch den Ärzten – nur um eines: mit aller Macht die Sucht loszuwerden und den Körper wieder in seinen vorigen Zustand der Unversehrtheit zu versetzen.

Es war also zu einer doppelten Verschiebung gekommen: zu einer Verschiebung der Sucht von der Mutter auf die Tochter und zu einer Verschiebung auf den Körper – der Tochter. Mit diesen Verschiebungen ging die Insistenz der Reaktion darauf einher, nämlich: Die Sucht, die Krankheit und die körperliche Veränderung – vor allem die: das Untergewicht – wieder loszuwerden. In diesem Bemühen trafen sich – wie gesagt – die Mutter und die – durchaus psychoanalytisch aufgeklärte – Medizin. In den oben erwähnten Stunden kam es zu Momenten, in denen diese Verschiebung spürbar und auch benennbar wurde. Der Patientin wurde klar, dass sie die Tochter und die Situation ihrer Sucht und ihrer Reaktionen viel besser verstand, als sie das sich und gar der Tochter zugestand.

Wenn ihr dann plötzlich klar wurde, wie ähnlich ihrer beider Situation war – wovon die Tochter keine Ahnung hatte – geriet sie in Panik. Sie bekam plötzlich den Gedanken, das der Tochter sagen, es ihr bekennen zu müssen. Was sie sich aus Scham und Schuld gleichzeitig ganz und gar nicht vorstellen konnte. Sie würde dadurch nicht nur ihre Autorität, sondern jede Berechtigung, überhaupt noch etwas zu sagen, und natürlich die Liebe ihrer Tochter verlieren. Und nur schon der Gedanke oder die Möglichkeit, ein anderes Verhältnis zu dem zu gewinnen, was mit ihrer Tochter und deren Körper vor sich geht, hatte angesichts der Übermächtigkeit ihrer unmässigen Schuld – als Korrelat zur unmässigen Sucht – keinerlei Chance auch nur in Betracht gezogen zu werden.

So musste sie sich das Verstehen der Tochter förmlich und wörtlich mit allen Mitteln vom Leib halten und loswerden.

Dabei blieb es dann auch. Sie wurde dieses Verständnis immer wieder los und auch ihren Therapeuten, der es nicht loswerden wollte.

Die Tochter, die von all dem, der Sucht ihrer Mutter, deren Schicksal und deren Versuche, es immer wieder loszuwerden, nichts wusste, war gleichzeitig darin gefangen. Auch ihre Krankheit, ihre Sucht, ihre körperliche Veränderung war ein Versuch etwas loszuwerden. Nämlich das Gewicht dieser Hypothek, die auf ihr lastet. Ihre Krankheit ist der Versuch, an und mit ihrem Körper etwas loszuwerden, etwas von der Verstrickung mit der Mutter, was ihr zu einem viel zu grossen und untragbaren Gewicht geworden war.

Der Ansatz diese körperliche Veränderung, diesen körperliche Umbau nur als Pathologie zu verstehen, die wieder rückgängig gemacht werden muss, übersieht, das der Körper vielleicht der einzige Ort ist, an dem der prekäre, lebensbedrohliche und vielleicht tödliche Versuch gemacht werden muss, dieses auf ihr lastende Gewicht loszuwerden.

Solches Übersehen und Versehen – Sie merken, wir sind wieder beim Bild – ist bei der Patientin hinzunehmen und ihr nicht vorzuhalten. Dass aber die Psychoanalyse in Gefahr ist, diese Einstellung der Patientin gegenüber dem Körper zu teilen – nicht nur im besonderen Fall der therapeutischen Behandlung der Tochter, sondern in der allgemeinen, in ihrer Theorie sich niederschlagenden Einstellung dem Körper gegenüber – das ist nicht hinzunehmen. Ihre Haltung, die Veränderungen und Verformungen des Körpers angesichts des Postulats seiner Unantastbarkeit nur in Kategorien von Pathologie zu verstehen, übersieht die Körperlichkeit des Menschen und die Bedeutung des Körpers und bringt sie, die Psychoanalyse, in einen ständigen und fast nicht aufzuhebenden Gegensatz und Kampf zu ihm und zu den verschiedenen Formen von Körperlichkeit.

Auch Ikarus wollte leicht werden und fliegen. Und hat seinen Körper dazu umgebaut.


Hierzu zeige ich Ihnen jetzt eine Arbeit von Bruce Nauman. Bruce Nauman ist ein zeitgenössischer Künstler, der ein äusserst vielfältiges Werk geschaffen hat, das sich über alle Genres der Kunst erstreckt und darin auch ständig herkömmliche Einteilungen und Grenzen überschritten und gesprengt hat. Er hat gemalt, gezeichnet, aus verschiedensten Materialien Plastiken und Installationen gemacht, photographiert, ganz früh schon Videos aufgenommen, mit Musik gearbeitet und Neon-Installationen hergestellt.


Besonders bei Nauman ist also nicht unbedingt das Thema, auch nicht das Scheitern – auch das gibt es ja zuhauf; besonders ist vielleicht, dass er es im Studio versucht und dass man auf dem Bild so deutlich sieht, wie er dieses Schweben manipulativ herzustellen versucht. Das ist nicht zufällig bei Nauman, im Gegenteil. Das Moment der Herstellung ist bei ihm immer sichtbar und bleibt auch sichtbar. Die Spuren der Arbeit: Gusskanten, Schrauben, Kabel und anderes, sind bei ihm – im Unterschied zur Minimal Art – immer sichtbar und Teil der Arbeit. Im Unterschied auch zu der Patientin, die alle Spuren zu leugnen und zu tilgen sucht, im Unterschied auch zur Psychoanalyse, die darauf insistiert, dass es solche Spuren gar nicht geben sollte.

Damit komme ich zu einer anderen Arbeit von ihm From Hand to Mouth. Das ist doch grossartig! Als Kunstwerk natürlich, aber für uns auch deswegen, weil es vom Titel und vom Bild her doch geradezu als Umsetzung von Rudolf Heinz’ These seiner Wunscherfüllung erscheint. Wenn ich Ihnen jetzt noch die Zeichnung daneben stellen könnte, die Rudolf Heinz zur Veranschaulichung seiner Krankheit und seiner These aufs Flip-Board gezeichnet hat, wären Sie noch überraschter und überzeugter gleichzeitig.

From Hand to Mouth ist der Ausschnitt eines Körpers, der ziemlich genau das Körperbild aufnimmt von dem Rudolf Heinz gesprochen hat. Es ist zwar nicht der direkte Übergang vom Mund zum Magen, aber der direkte Übergang von der Hand zum Mund. Dieser Schnitt im Körper, den Nauman vornimmt – und den man vielleicht durchaus mit dem Schnitt der Operation vergleichen könnte – dieser Schnitt stellt auch eine Verformung und Verfremdung, einen Umbau des Körpers dar. Dieser Schnitt hat aber selbst in seiner ganzen Verfremdung nicht einfach etwas Pathologisches, er stellt einen neuen, schönen, faszinierenden Körper her.

Und erzählt zudem etwas mit diesem Körper. Er erzählt über seine Struktur und seine Entstehung. Von weitem gesehen erinnert der Ausschnitt eher an eine Schlange als an einen menschlichen Körper. Dieser Schlange und ihren beiden Enden, die sich berühren können, würde die Zirkularität des Wortes „von der Hand in den Mund“ entsprechen. Die Zirkularität einer engen Verbindung, die das Moment der Rezeptivität – der Mund – mit dem Moment der Produktivität – der Hand – da eingeht. Es geht hinein und hinaus aus dem Körper.

So wie der Schnitt: er geht hinein in den Körper und verletzt und zerstört ihn und bringt gleichzeitig etwas aus ihm heraus. Nämlich einen anderen und neuen Körper, einen der dem kurzgeschlossenen Lustkörper von Rudolf Heinz sehr zu entsprechen scheint.

Damit komme ich zurück zu der Arbeit Get out of my Mind, get out of my Room, die Sie am Anfang gehört haben. Vom Buchstaben her scheint sie genau die Sichtweise zu formulieren, die die Psychoanalyse zum Körper einzunehmen begonnen hat: Man soll ihn in Ruhe lassen, man soll draussen bleiben von ihm. Doch ist dies nur eine Seite dieser Arbeit. Das Flehen, Wimmern und Stöhnen ist ja nicht nur wörtlich zu nehmen. Man wird nämlich nicht nur weg- und hinausgeschickt, man wird vor allem angezogen und hineingezogen in diesen Raum. In der grossen Nauman-Ausstellung, 1995, in Zürich hörte man das Flehen und Wimmern schon von weitem, wenn man den Ausstellungs-Saal betrat. Bevor man irgendetwas sah, bevor man irgendetwas wusste. Und wurde magisch angezogen, bis man in den Raum eintrat, aus dem es erklang. Und war man drinnen, wurde man wieder herausgeschickt.

Das Flehen und Wimmern zog einen hinein und stiess gleichzeitig wieder hinaus. Auch hier also dieses Hinein und Hinaus. Wie bei From Hand to Mouth. Das erlaubt es uns, auch bei dieser Installation von einer Skulptur des Körpers zu sprechen. In ihm, im Körper, sind beide Bewegungen miteinander verschränkt, das Hinein und Hinaus.

Bruce Nauman nimmt den Körper als Material. Das sieht man an From Hand to Mouth. Das sieht man natürlich noch in vielen anderen Arbeiten von ihm. Ich kann Ihnen jetzt nicht alle vorführen, die ich Ihnen gerne zeigen möchte, obwohl es wirklich faszinierend ist, wie sich in der Vielfalt seines Werkes dieses Thema immer wieder und immer wieder anders zeigt. Hier nur kurz 2 / 3 weitere Arbeiten, damit Sie einen Eindruck und vielleicht Lust bekommen.

Hand Circle


Und dann die Zeichnung.Use Me! Das ist – so könnte man sagen – seine Devise zum Körper. Sie ist diametral entgegengesetzt zu der der Psychoanalyse, dass er unangetastet bleiben soll.

Nauman nimmt den Körper also als Material. Und er nimmt nicht zuletzt seinen Körper als Material. Als Material für seine Kunst. Deshalb ist es kein Zufall, wenn er im Studio, in seinem Atelier zu schweben versucht.

Es ist der Ort, an dem er mit den Verformungen und Verletzungen seines Körpers, mit Eingriffen in ihn und in seine Unversehrtheit etwas Neues schafft. Man könnte auch sagen, sein Atelier ist der Ort, an dem er aus seinem Körper etwas Neues schafft. Einen neuen, anderen Körper, der vielleicht fliegen können und auch sonst ein Wunsch- und Lustkörper wird. Und seine Kunst zeigt uns das, führt uns das vor.

Er geht dabei – und das ist wichtig zu erwähnen – nicht über das Moment der Gewalt, über die Verletzungen und Zerstörungen hinweg. Er zeigt sie uns in ihrer ganzen Brutalität und Schmerzhaftigkeit – denken Sie an die zerschnittenen und neu zusammengesetztenTierkörper, daran, wie sie als Alukörper gegen den Boden und gegen die Wand schlagen, an die Spuren des Handanlegens, die er nie entfernt. Er entwirft also nicht ein Bild idealer Schönheit. Aber trotz all dem macht er nicht Halt vor dem Körper, trotz all dem lässt er ihn nicht unangetastet. Er will ihn verändern, will ihn umformen und umbauen, will ihn zu dem machen, was er auch sein könnte, will aus ihm einen neuen, anderen, besseren Körper machen, der den Träumen und Wünschen und Lüsten des Menschen noch mehr entspricht.

Harald Szeemann, der die Ausstellung in Zürich ausrichtete, hat es sehr schön gesagt: Manchmal sieht es so aus, „wie wenn der Mensch und die Kunst den Körper nie in Frage gestellt hätten, ihn im Wissen um seine Begrenztheit in seinem Drang und Wunsch nach Überwindung des Organdiktats nie aufheben wollten.“ Bei Nauman hingegen „... geht es stets um den neuen Körper im alten, der die Gesetze der Schwerkraft auf die Probe stellt, der sich über die Suggestion des Geistes in etwas ausserhalb seiner materialisieren will.“ (Szeemann,1995, S. 4)

Ich möchte mit einem Zitat schliessen, das Ihnen vielleicht bekannt ist: „Es klingt nicht nur wie ein Märchen, es ist direkt die Erfüllung aller – nein, der meisten – Märchenwünsche, was der Mensch durch seine Wissenschaft und Technik auf dieser Erde hergestellt hat, in der er zuerst als ein schwaches Tierwesen auftrat und in die jedes Individuum seiner Art wiederum als hilfloser Säugling – oh inch of nature – eintreten muss. All diesen Besitz darf er als Kulturerwerb ansprechen. Er hatte sich seit langen Zeiten eine Idealvorstellung von Allmacht und Allwissenheit gebildet, die er in seinen Göttern verkörperte. Ihnen schrieb er alles zu, was seinen Wünschen unerreichbar schien – oder ihm verboten war. Man darf also sagen, diese Götter waren Kulturideale. Nun hat er sich der Erreichung dieses Ideals sehr angenähert, ist beinahe selbst ein Gott geworden. Freilich nur so, wie man nach allgemein menschlichem Urteil Ideale zu erreichen pflegt. Nicht vollkommen, in einigen Stücken gar nicht, in anderen nur so halbwegs. Der Mensch ist sozusagen ein Prothesengott geworden, recht grossartig, wenn er alle seine Hilfsorgane anlegt, aber sie sind nicht mit ihm verwachsen und machen ihm gelegentlich noch viel zu schaffen.“ (Freud 1930, S.222)

Freud, von dem diese Passage stammt – sie steht im Unbehagen in der Kultur, geschrieben sage und schreibe 1930 –, steht den Veränderungen und dem Umbau des Körpers ganz offensichtlich nicht so ablehnend und verurteilend gegenüber wie die heutige Psychoanalyse in ihrem Bemühen, sich korrekt zu zeigen und zu verhalten. Es klingt sogar die Hoffnung an, dass die Prothesen besser mit dem Körper verwachsen und dem Menschen weniger zu schaffen machen könnten. Es ist die Hoffnung die Grenzen auszuweiten. Nicht nur die des Geistes, auch die des Körpers. Es ist die Hoffnung, dass die neuen und besseren Krücken es dem Ödipus dann doch ermöglichen, dem Untergang in seinem Schicksal zu entkommen. Und nicht zu versinken in der Finsternis auf Kolonnos, sondern ans Licht des Engadins zu gelangen, wo es ihm geschrieben steht:

Doch alle Lust will Ewigkeit.


Literatur

Decker, Oliver (2004): Der Prothesengott, Giessen, 2005

Freud, Sigmund (1930a): Das Unbehagen in der Kultur, SA, Frankfurt a.M., 1974

Heinz, Rudolf (2007a): Ankündigung des Vortrags im PSZ am 22.Juni 2007: Spekulative Chirurgie. Zur Psychosomatik einer Krebserkrankung und deren Therapie.

Heinz, Rudolf (2007b): Die Armut der res cogitans. Innenansichten einer viszeral-chirurgischen Operation, in: ders.: Todesannäherungen, Düsseldorf, 2007
Knellessen, Olaf (2005): Der Körper als Material – die Wiederkehr des Selbstportraits bei Bruce Nauman, in: Zeitschrift für Theorie und Praxis der Psychoanalyse, 20, 2005, 115-130

Rohde-Dachster, Christa (2007): Zur Psychodynamik schönheitschirurgischer Körperinszenierungen, in: Psyche, 61, 2007, 97-124

Szeeman, Harald (1995): Furioso, Adagio, Ossesionato, in: Bruce Nauman, Kunsthaus Zürich, Beiheft zum Ausstellungskatalog, hg. v. Harald Szeemann

Ziob, Brigitte (2007): Körperinszenierungen – Das veräusserte Selbst, in: Psyche, 61, 2007, 125-136

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