The Missing Link. Der Preis für Psychoanalyse und ...

ist die Anerkennung des Psychoanalytischen Seminars Zürich. Der Preis wurde 2007 anlässlich des 30jährigen Bestehens des PSZ gestiftet. Seine Ausrichtung auf den interdisziplinären Austausch der Psychoanalyse mit anderen Gebieten entspricht einer Tradition des PSZ, das die Couch immer schon aus dem Behandlungszimmer in andere Zusammenhänge – nicht nur, aber auch auf die Strasse – gebracht hat.

http://www.psychoanalyse-zuerich.ch/missinglink



Der Preis wird alle 2 Jahre vergeben und ist seit 2011 durch den Förderpreis Link 2 Future ergänzt worden. Der Vorlauf für die Preisvergabe beginnt ein Jahr zuvor mit der Ausschreibung in Journalen, Zeitschriften und natürlich an alle einschlägigen und nicht-einschlägigen Orte und Institutionen. Daraufhin kommen dann die Bewerbungen – bislang zwischen 60 und 170 an der Zahl.

Die Jury nimmt sich ihrer mit grossem Interesse an – und alle bisherigen Mitglieder der Jury können bestätigen, dass die Vielfalt der Interessen, Themen und Gebiete wirklich aufregend und ein Gewinn ist – und trifft sich meist Ende August vis-à-vis im alten Haus Karl der Grosse mit Blick auf das Grossmünster zu einem Wochenende der Beratung und der durchaus auch hitzigen Diskussion in bester Laune. Am Sonntag Mittag steigen dann die Rauchwolken über dem Grossmünster auf und der Welt wird bekannt gegeben: "Habemus laureatus" oder – natürlich auch: "Habemus laureata!"

Dann gehen die hektischen Vorbereitungen los für die Planung der Preisverleihung, die mit einem besonderen Ereignis verbunden wird, die dann irgendwann gegen Ende des Jahres oder – wie beim letzten Mal – Anfang des nächsten Jahres stattfindet.



The Missing Link wird durch Spenden alimentiert, weshalb eine wichtige Aufgabe auch die ist, finanzielle Mittel zu schöpfen. 2011 wurde eine Auktion veranstaltet, an der Bilder versteigert wurden, die von Künstlerinnen und Künstlern dem Missing Link zur Verfügung gestellt wurden. Grosses Kino war das, ein wunderschönes Fest und auch ein grosser Erfolg für den Missing Link.


Entstanden aus den Preisverleihungen sind eine Soundskulptur 9 Psychoanalytiker des Zürcher Künstlers Nik Emch und bislang zwei Bücher: Zwischen Architektur und Psychoanalyse. Sexualität, Phantasmen, Körper und Das Motiv der Kästchenwahl. Container in Psychoanalyse, Kunst, Kultur.

Die bisherigen Preisträger

Erster Preisträger von The Missing Link war der Kulturwissenschaftler Robert Pfaller 2007 mit seinem Buch Die Illusionen der Anderen. Über das Lustprinzip in der Kultur. Die Preisverleihung fand in der Shedhalle in Zürich statt und wurde von einer Soundskulptur 9 Psychoanalytiker des Zürcher Künstlers Nik Emch begleitet. Sehen Sie dazu das Video

2009 ging The Missing Link dann an den Wiener Künstler Gregor Schmoll für seine Arbeit Vexations. Die Verleihung fand mit einer Ausstellung der Arbeiten des Künstlers und mit einem Symposium zu Architektur und Psychoanalyse Transparenz und Intimität im Kunstraum Walcheturm statt. Sehen Sie auch hierzu das Video

Für Epilog I – Winterstück, eine gemeinsame Produktion von einer Psychoanalytikerin und einem Komponisten erhielten Dietmut Niedecken und Hauke Berheide die Auszeichnung 2011. Die Komposition wurde zur Preisverleihung im Kunstraum Walcheturm aufgeführt. In diesem Jahr wurde zum ersten Mal auch der Förderpreis Link 2 Future vergeben und er ging an Sebastian Wedler für seine Arbeit Der „Anti-Ödipus als Impetus für eine dekonstruktivistische Musikästhetik.
Ergänzt wurde die Preisverleihung durch eine Tagung zum Container in Kunst, Kultur und Psychoanayse unter dem Titel Das Motiv der Kästchenwahl.

Preisverleihung 2015
Tagung zu "Mode und Moden"

Die Tagung präsentierte sich wie die Mode sehr vielfältig, bunt, povozierend, frisch und witzig, durchaus aber auch nachdenklich und anregend, von nachhaltig und vegan wollen wir für einmal nicht sprechen. Man muss ja nicht jede Mode mitmachen.

Schon Adorno hat davor gewarnt, Mode für überflüssig zu erklären: „Die üblichen Deklamationen gegen Mode, die das Vergängliche dem Nichtigen gleichsetzen, sind nicht nur dem Gegenbild einer Innerlichkeit gesellt, die politisch so sehr sich kompromittierte wie ästhetisch als Unfähigkeit zur Entäußerung und Verstocktheit im individuellen Sosein. Trotz ihrer kommerziellen Manipulierbarkeit reicht Mode in die Kunstwerke tief hinein, schlachtet sie nicht nur aus….“

Aber Mode unterhält nicht nur zur Kunst ein so enges und wechselseitiges Verhältnis. Nicht zuletzt die Psychoanalyse stellt das Vergängliche – als das immer schon verlorene objet du désir – ins Zentrum ihrer Theorie und ihrer Praxis. Und erzählt davon, was für ein unendlicher Reichtum an immer neuen Formen und Objekten daraus täglich und vor allem triebhaft entsteht.

Die Tagung war ein Feuerwerk von Beispielen und Anschauungen: Mode als Poesie, die fliegen kann, Mode als Stoff fürs Leben und der Literatur, Mode als Kostüm, in das man sich werfen kann, als immer neuer Entwurf fürs Leben und sie wurde zum Tanz in einer mitreissenden Performance von Vouging, einer Tanzpraxis aus der New Yorker Subkultur, bei der man sich Modelposen aneignet, mit ihnen lacht und sie so ihrer Macht auch entkleidet. Mode at it’s best!

Dieses fulminante Ende ging dann über in den Apéro mit Sekt und Snacks und klang in vielen Gesprächen noch nach und wurde dann in der anschliessenden Preisverleihung weiter geführt.

Der Hauptpreis The Missing Link ging an Nele Stecher für Ihre Arbeit Das Subjektive historisieren. Macht, Schuld und Wahrheit und Peter Schneider hob in seiner Laudatio den geistreichen Witz an ihrer Arbeit hervor, der „die Naturalisierung des Kulturellen ad absurdem führt“, die auch solche Varianten psychoanalytischen Denkens aufweisen, die beispielsweise eine „unfreiwillig komische Verdoppelung der Phänomene in den darauf applizierten Begriffen“ produziert oder als überraschungsfreie Gesellschaftskritik im Deutungsprozess daherkommt, „bei dem am Ende immer das herauskommt, was man vorher schon wusste.“ Auch hier könnte man sagen: Kritische Interdisziplinarität at it’s best!



Der Förderpeis Link 2 Future ging diesmal zu gleichen Teilen an zwei junge Künstlerinnen. An Alwina Heinz aus Dresden für ihre Zeichnungen zum Thema Wie entsteht ein Bild im Kopf? Und warum wird es so ausgedrückt wie es ausgedrückt wird? und an Lilian Robl aus Müncheen für ihr Video Denkogramm. Beide Arbeiten greifen, wie Katja Baumhoff in ihrer Laudatio sagte, „die Formalität eines Diagramms, des Psychogramms, oder wie Lilian Robl es bezeichnet, des Denkogramms auf, doch sie beinhalten irrationale Momente, sie spielen bewusst mit den Möglichkeiten der Verschiebung und der Vieldeutigkeit, und vermeintlich ordnende Bildzeichen werden letztendlich nur genutzt, um Ordnungsmuster zu destabilisieren.“