Übeltäterei.

120 Meter Sichtbeton mitten in der Stadt Zürich. Mut oder Zumutung? Der Psychoanalytiker Olaf Knellessen zur Kontroverse über den neuen Getreidespeicher, den Swiss Mill Tower.

Hochparterre. Zeitschrift für Architektur, Planung und Design, 8/16, 42-43

11. August 2016

Am Abend des 7. Dezembers 2015 war es, als wäre Jenny Holzer, die amerikanische Künstlerin, wieder in der Stadt. Die Projektionen ihrer truisms, der Binsenwahrheiten, die keine sind, vom Limmatquai auf den Lindenhof sind immer noch in bester Erinnerung – damals als ihre grosse Ausstellung in der Fondation Beyeler auch Ableger in Zürich hatte. Diesmal wurde der Swissmill-Tower zur Projektionsfläche für Aufrufe zur häuslichen Gewalt und schon vor seiner Fertigstellung zu einem Ort der Auseinandersetzung. „Schaut nicht weg“ war da in grossen, leuchtenden Lettern zu lesen. Was in der Tat nicht schwer fällt, ist doch der Turm das zweithöchste Gebäude der Stadt, unübersehbar und längstens selbst Gegenstand nicht nur ästhetischer, sondern vor allem politischer Debatte.

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