Husam Suliman
populäre Kulturen

Vortrag am Psychoanalytischen Seminar Zürich im Rahmen des Zyklus "Junge Psychoanalyse"
Freitag, 11. Sepember 2015, 20.30 Uhr
Quellenstr. 25, 8005 Zürich

11. September 2015

"Am Anfang war das Feuer“ lautet der deutschsprachige Titel des Films von Jean-Jaques Annaud aus dem Jahre 1981. Wie es im Titel bereits angedeutet wird, beginnt der Film mit einer Aufnahme eines weit in der Ferne brennenden Feuers. Und ebenso schliesst der Film am Ende mit der gleichen Szene. Dass das Feuer nicht das gleiche ist, erfahren wir erst, wenn wir den Film gesehen haben. Das zentrale Motiv, das Feuer, gewinnt durch die Geschichte auf mehreren Ebenen an Bedeutung und steht damit auf einmal stellvertretend für Sehnsucht, Leidenschaft, Sexualität und schließlich Liebe. „Am Anfang war das Feuer“. Ganz analog dazu wie es im Johannes Evangelium heisst "Am Anfang war das Wort“.

Der englische Titel des Films lautet „Quest for Fire“ und verspricht uns eine abenteuerliche Reise, die grosse Suche. Vielleicht keine Passion im Sinne Mel Gibsons, und doch spielt die Leidenschaft auf dieser unliebsamen Mission nach Feuer eine ganz wesentliche Rolle. Zwei Jahre zuvor, 1979, sang Dan Hartman „Relight my Fire“, doch erst im Cover von Take That aus dem Jahre 1993 bringt der Song deutliche Erfolge und treibt den Kult um die in den 90ern überaus populären Boygroups zu einem bislang nie da gewesenen Hoch.

Spielt es eine Rolle in welcher Zeit gesungen wird? Ist Zeitlichkeit und Geschichte relevant? Die Psychoanalyse sieht sich stets mit dieser Frage konfrontiert. Wie verhält es sich um die Nachträglichkeit, wie um die Mythologie? In den populären Kulturen ist Zeitlichkeit höchstens als Referenz von Bedeutung, noch eher als Selbstreferenz – ein Selfie seiner Selbst. Sie gehen spielerisch damit um.

„La Guerre du Feu“ so schließlich lautet der französische Titel im Original. In dieser assoziativen Serie, gelangen wir vom anfänglichen Wort über die leidenschaftliche Suche bis schliesslich hin zum Krieg. Und auch hier findet sich ein Teil des Films aber auch ein Teil von uns bestätigt, denn es wird gekämpft, denn einige Dinge sind es Wert dafür zu kämpfen.


Husam Suliman, Dr. med., in kontinuierlicher Ausbildung zum Psychoanalytiker am Psychoanalytischen Seminar Zürich. Aktuell klinische Tätigkeit im ambulant- psychiatrischen Rahmen sowie psychoanalytisch in eigener Praxis.

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